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Simultan oder konsekutiv? Was der Unterschied in der Praxis bedeutet

16. März 2026
Titelbild für einen Blogbeitrag über Konsekutivdolmetschen und Simultandolmetschen
January 12, 2017

Wer die falsche Dolmetschart bucht, bezahlt am Ende zweimal: einmal für den Auftrag, einmal für das Meeting, das danach noch einmal organisiert werden muss, weil das erste gescheitert ist. Ich habe das erlebt, und es war kein Einzelfall. Dabei ist der Unterschied zwischen beiden Methoden gar nicht schwer zu verstehen.

Simultandolmetschen: Die Sprache läuft mit

Beim Simultandolmetschen läuft die Übersetzung parallel zum Gesagten. Der Redner spricht, ich höre zu und spreche gleichzeitig in der Zielsprache, mit einem unvermeidlichen Versatz von wenigen Sekunden. Die Zuhörer hören mich über Kopfhörer, der Ablauf der Veranstaltung bleibt ungestört.

Das ist die richtige Methode für Konferenzen, EBR-Sitzungen und alle Formate, bei denen mehrere Sprachen im Raum sind und das Gespräch in Echtzeit fließen soll. Dafür braucht man in der Regel eine technische Anlage mit Kabine, Mikrofonen und Kopfhörern, sowie bei längeren Sitzungen mindestens zwei Dolmetscher pro Sprache, die sich abwechseln. Für kleinere Termine, Fabrikrundgänge oder Studienbesuche ohne feste Infrastruktur bringe ich eine eigene mobile Dolmetschanlage mit. Damit entfällt die aufwendige Technikplanung, und die Qualität bleibt erhalten.

Konsekutivdolmetschen: Erst reden, dann dolmetschen

Beim Konsekutivdolmetschen spricht der Redner zuerst, dann komme ich. Ich höre zu, mache mir Notizen und gebe den Inhalt vollständig in der Zielsprache wieder, wenn der Redner pausiert oder zu Ende gesprochen hat.
Bei bilateralen Gesprächen zwischen zwei Gesprächspartnern funktioniert das gut.

Das Gespräch bekommt einen ruhigen, fast meditativen Rhythmus, beide Seiten haben Zeit zum Nachdenken. Auch bei Reden vor einem Publikum ist Konsekutiv möglich: Eine Rede wird vollständig vorgetragen, dann vollständig gedolmetscht, fünf, acht, manchmal zehn Minuten am Stück. Man sollte dabei nicht vergessen, dass ein Publikum, das zehn Minuten lang nicht versteht, was gesagt wird, irgendwann innerlich weggeht. Die Aufmerksamkeit lässt sich nicht auf Abruf wieder einschalten.


Und: Konsekutivdolmetschen verdoppelt immer die Dauer. Wer eine Stunde für ein Meeting eingeplant hat, sollte zwei einplanen. Das liegt nicht am Dolmetscher, sondern an der Methode.

No-Go: Konsekutivdolmetschen bei mehrsprachigen Veranstaltugen

Es gibt eine Konstellation, vor der ich ausdrücklich warnen möchte: Konsekutivdolmetschen bei mehrsprachigen Terminen.

Stellen Sie sich fünf Teilnehmer vor, die fünf verschiedene Sprachen sprechen, jeder mit einem eigenen Dolmetscher. Einer macht eine Wortmeldung. Der Dolmetscher übersetzt ins Englische als Brückensprache. Dann greifen die anderen Dolmetscher das auf und übersetzen weiter. Jeder Beitrag wird also mindestens zweimal gedolmetscht, nacheinander. Bis alle verstanden haben, was gesagt wurde, ist wertvolle Zeit vergangen. Dann möchte jemand antworten, und das Spiel beginnt von vorne.

Ich habe Meetings gesehen, die genau so gescheitert sind. Man konnte sich nicht verständigen, das Meeting musste wiederholt werden, und das Honorar war trotzdem fällig. Manchmal werden solche Pakete von Agenturen angeboten, auch für Remote-Formate. Online kommt noch hinzu, dass die nonverbale Kommunikation fehlt und Verbindungsprobleme den ohnehin zähen Rhythmus vollends zum Erliegen bringen können.

Sobald mehr als zwei Sprachen miteinander kommunizieren müssen, führt kein Weg am Simultandolmetschen vorbei.

Remote-Dolmetschen: Wann es geht und wann nicht

Online-Meetings haben ein Missverständnis verbreitet: dass Remote-Dolmetschen keine besondere Technik braucht. Für ein bilaterales Gespräch über Zoom, bei dem ich konsekutiv dolmetsche, stimmt das sogar. Ein gutes Mikrofon und eine stabile Verbindung reichen.

Beim Simultandolmetschen sieht das anders aus. Dafür braucht man Plattformen, die getrennten Sprachkanäle unterstützen, zum Beispiel Zoom mit aktivierter Sprachkanal-Funktion, Kudo oder Interprefy. Ohne diese Infrastruktur gibt es keine Möglichkeit für die Zuhörer, zwischen Sprachen zu wählen, und die Dolmetschung vermischt sich mit dem Original zu einem unbrauchbaren Klangbrei.

Wer mir im Voraus sagt, auf welcher Plattform das Meeting stattfindet und wie viele Sprachen beteiligt sind, bekommt von mir eine klare Einschätzung. In vielen Fällen ist die Lösung einfacher als befürchtet. Sie muss nur geplant werden, bevor das Meeting beginnt.

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